Vorlage
Sonntag, 16. Oktober 2016

Trendige Cine-Objektive aus Fotoobjektiven


(Bilder folgen)

Bei Objektiven setzen Hersteller seit 2010 vermehrt auf lichtstarke Festbrennweiten (z.B. Lichtstärke 1:1,4), von denen viele in der extra teuren Premiumklasse angesiedelt sind. Beispiele sind die Milvus- und vor allem die exklusive Otus-Reihe von Zeiss oder die Art-Reihe von Sigma sowie die neue GM-Objektive von Sony oder die Pro-Reihe von Olympus.

Auch bei Zooms, bei denen vor einigen Jahren eher die Kompaktheit oder ein grosser Zoomfaktor im Vordergrund standen, sind inzwischen hohe Lichtstärken scheinbar stärker gefragt. Die Lichtstärke und Blende soll zudem möglichst über den ganzen Brennweitenbereich konstant bleiben (Beispiel Sigma 50-100mm F1,8 DC HSM | Art für APS-C-Sensoren.).

Da eine hohe Lichtstärke einen grossen Linsendurchmesser verlangt, fallen entsprechende Objektive dick und schwer aus, wobei die Anforderung der Digitaltechnik bzw. der Bildsensoren ohnehin grössere Durchmesser verlangt. Wenn dann eine Optik auch noch einen grossflächigen Bildsensor bedienen muss, kommt man um einen fetten Glasbrocken nicht herum.

Neben dem verstärkten Engagement in Premiumoptik entdecken momentan immer mehr Objektivhersteller die Filmschaffenden als lukrativen Markt und präsentieren für diese besondere Ciné-Optiken, wie sie früher nur von Ciné-Spezialisten wie Angénieux und Cooke zu haben waren. Dabei basieren viele dieser Ciné-Optiken auf bereits entwickelten Fotoobjektiven, die jedoch in einem speziellen Gehäuse stecken. Ciné-Objektive sind deutlich teurer als ihre allfälligen Fotopendants. Sie kosten meist mehrere Tausender. (Damit sind diese ist übrigens aber dennoch günstig im Vergleich zu manchen hochprofessionellen Ciné-Zooms, die Preise von Mittelklassewagen erreichen.)

Die Ciné-Objektivgehäuse haben meist einen einheitlichen Aussendurchmesser und ihre Fokusringe verfügen über einen Zahnkranz anstelle einer griffigen Gummioberfläche. So können auf einem Video-Rig mit einer Schärfeziehvorrichtung (Follow Focus) die Distanz auch während einer Aufnahmen präzise und sanft verstellt werden. Typische Merkmale von Ciné-Objektiven sind zudem Blendenwerte in T-Stops, seitlich ablesbare Distanz- und Blendenskalen sowie rasterlose und somit stufen- und geräuschlose Blendenringe.

Im Zuge des Trends Fotokamera für Videofilme zu benutzen, kommen übrigens immer mehr normale Fotoobjektive wie das neuen Zeiss Loxia 2,4/85mm oder die neuen Sony Festbrennweiten 1,4/50mm und 1,4/85mm zur Sony Alpha 7 mit einem De-click-Schalter, um die Blendenrasterung bei Bedarf auszukuppeln. Zeiss, die schon speziell entworfene Cine-Objektive produziert, hat es mit der CP.2-Reihe vorgemacht, wie man aus Fotoobjektiven teure Cine-Modelle ableitet. So bietet die südkoreanische Objektivschmiede Samyang schon länger die Mehrheit ihrer Produkte in einer Foto- und einer einfachem Videovariante (VDSLR), hat aber in 2015 die professionelle und teure XEEN-Riehe lanciert und diese zur Photokina auf sieben Gläser ausgebaut. Auch Sigma hat jüngst eine Cine-Reihe per 2017 angekündigt. Leica hat einerseits dafür extra die Schwesterfirma CW-Sonderoptik gegründet, 2015 für ihre Summilux-C-Objektive bereits einen Technik-Oscar abgeräumt und zur Photokina die Fabrikation der M-Objektive als «M 0.8»-Reihe für Cine-Zwecke angekündigt. Sogar die Mittelformatobjektive von Hasselblad werden zu Cine-Modellen umgebaut, allerdings nur für die spezielle Filmkamera Arri Rental Alexa 65, die das monumentale 65mm-Kinofilmformat digital wiederbeleben soll. Da scheint es nur eine Frage der Zeit bis weitere Marken einsteigen. Ob dieser Markt allerdings für Massen von Cine-Optiken gross genug ist, darf bezweifelt werden.