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Montag, 13. Dezember 2010

Dateiformate digitaler Fotokameras


Bessere Kameras können Fotos in verschiedenen Dateiformaten speichern. So kann der Benutzer zwischen kleinen, komfortablen JPEG-Fotos und hochwertigen, jedoch platzhungrigen RAW-Aufnahmen wählen. Auch Videoformate stehen zur Wahl.

In der Regel werden Digifotos im JPEG-Dateiformat gespeichert, das sehr platzsparend ist und von beinahe jedem Computerprogramm angezeigt werden kann. Alternativ können manche Kameras ihre Fotos auch in anderen Dateiformaten ablegen. Zudem werden Videos und Audiokommentare in ihren spezifischen Formaten abgelget. 

Welches Format eine Kamera für die Fotos gerade nutzt, wird im Kameramenü unter der Aufnahmeeinstellung "Bildqualität" oder einem sinngemäss ähnlichen Menüeintrag festgelegt.

Betrachtet man die Fotodateien am Computer, geben die dreistelligen manchmal auch vierstelligen Dateiendungen hinter dem Punkt Aufschluss über das verwendete Dateiformat. (Ein separater Artikel verrät mehr über Dateinamen und -endungen.

Bild: Menü einer Nikon D60-Spiegelreflexkamera

Um beispielsweise die Bildqualität im neben stehenden Kameramenüs einzustellen, wird zwischen RAW und dem JPEG in verschiedenen Qualitätsstufen (Komprimierungsstärken) gewählt.

"JPEG Fine" steht für die beste Qualität mit grossen Dateien, "JPEG Basic" für einfache Qualität mit kleinen, stark komprimierten Dateien.

Ist der unterste Menüpunkt aktiviert, wird ein Foto gleichzeitig als RAW und JPEG gespeichert (simultane Aufzeichnung in beiden Dateiformaten). Bei jedem Kameramodell sieht das Menü natürlich anders aus und gibt es mehr oder weniger Auswahl.

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JPEG das Standardformat

Digitale Fotos liegen in der Regel im JPEG-Format vor, das meist durch die Dateiendung JPG gekennzeichnet ist. Selten kommen die Endungen JPEG oder JPE vor.

Bei JPEG handelt es sich eigentlich um einen Komprimierungsstandard, mit dessen Hilfe Bilddateien möglichst effizient verdichtet werden, um die Dateigrössen klein zu halten. Auf diese Weise wird Platz auf den Speichermedien (z.B. Speicherkarte, CD) gespart und die Übertragungszeit von Fotos verkürzt.

Der Name JPEG steht für eine Gruppe von Experten (Joint Photographic Experts Group), die Standards zur Bildkomprimierung festlegt.

Für Digifotos wird in der Regel die JPEG-Komprimierung angewendet. Dabei werden Bildinformationen zusammengefasst und reduziert, was die Qualität beeinträchtigt. Je stärker komprimiert wird, desto kleiner sind zwar die Dateien (vorteilhaft), desto geringer ist aber deren Bildqualität (nachteilig).

Die Qualitätseinbussen sind besonders in kontrastreichen Bildbereichen und oft als störende "Klötzchenmuster" zu sehen. Der Grad der JPEG-Komprimierung wird im Kameramenü "Bildqualität" voreingestellt. 

Neben der geringen Dateigrösse bietet das JPEG-Format den Vorteil, dass Fotos in diesem Format von nahezu jedem Programm oder Gerät angezeigt werden können.

Als verlustfreie Alternative zum verlustbehafteten JPEG-Format können einige Kameras ihre Digitalfotos verlustfrei als TIFF oder RAW ablegen.

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Bild: Menü zum Einstellen der Bildqualität und -grösse im Menü einer Kompaktkamera Ricoh GX100.

Die Kamera bietet RAW als Topqualität sowie JPEG in feiner "F"- und normaler "N"-Qualität. 

Zusätzlich kann die Kamera die JPEG-Fotos auch in geringerer Auflösung und statt im üblichen 4:3-Format auch beschnitten in einem 3:2-Seitenverhältnis abspeichern.

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MPO 

Das Multi Picture Object ist ein relativ neues Format und ist wie die Videodateien ein Container für mehrere Inhalte. 3D-Fotos werden von digitalen Kameras im MPO-Format gespeichert und enthalten dann zwei Bilder, die gleichzeitig mit einem Stereoobjektiv aufgenommen wurden. Oft enthält das MPO-Paket kleine Voransichten der Bilder. Die darin enthaltenen Fotos werden nach dem JPEG-Standard komprimiert.

RAW für das Optimum

Normalerweise bereiten Digitalkameras die Fotos kameraintern auf und speichern sie in einem gängigen Dateiformat wie JPEG. Höherwertige Kameras können Fotos auch direkt ab dem Fotosensor roh (englisch: raw) bzw. unbearbeitet speichern.

Die Dateiendung eines RAW-Fotos variiert je nach Kameramarke. Bei Kameras von Canon lautet sie meist CR2 (Canon RAW Type 2), bei Nikon NEF (Nikon Electronic File) und bei Olympus ORF (Olympus RAW File). Ein universelles RAW-Format ist DNG (Digital Negative), das von mehreren Kameraherstellern (Hasselblad, Leica, Ricoh, Sinar) verwendet wird und von Adobe geschaffen wurde. 

RAW-Fotos lassen sich nicht einfach so verwenden, sondern müssen erst am Computer in ein gängiges Dateiformat konvertiert werden. Dabei besteht ein besonders grosser Spielraum für die Bildoptimierung, weshalb die Konvertierung oft als "digitale Fotoentwicklung" bezeichnet wird. 

Mit dem kostenlosen Adobe DNG Converter können Fotos der verschiedensten proprietären RAW-Formate in das universellere DNG-RAW-Format gewandelt werden.

RAW-Fotos werden stets in maximaler Auflösung aufgezeichnet. Seit einiger Zeit können einige Kamera RAWs auch in kleinen Auflösungen speichern, wobei deren Kompatibilität zu Programmen dann noch geringer ist.

Hinweis: Weil RAW-Dateien sich von Kameramodell zu Kameramodell unterscheiden, gibt es beim Betrachten und Bearbeiten von RAW-Fotos oft Probleme. Die Betrachtungs- oder Bearbeitungs-Software muss das jeweilige RAW-Format kennen, um es anzeigen und bearbeiten/konvertieren zu können. Meist dauert es eine gewisse Zeit nach Einführung eines neuen Kameramodells, bis die Software-Hersteller in einem Update ihre Software kompatibel machen.

RAW-Software: Kamerahersteller liefern in der Regel ihr eigenes RAW-Programm mit, wie zum Beispiel "Canon Digital Photo Professional", "Nikon View" oder "Olympus Master". Andere sind optional zu erwerben, wie z.B. "Nikon Capture NX2". Bekannte RAW-Converter bzw RAW-Entwickler sind "Apple Aperture", "Adobe Lightroom", "Bibble Labs "Bibble , "DxO Labs DxO Optic Pro" oder das RAW-Modul "Adobe Camera Raw" (ACR) in Photoshop und Photoshop Elements

RAW und JPEG simultan

Heute können Kameras eine Aufnahme gleichzeitig als RAW und als JPEG abspeichern. Dies verlangt zwar mehr Speicherplatz und wirkt sich negativ auf die Anzahl von Fotos bei Serienfeuer aus. Der Vorteil liegt aber darin, dass man Bilder zur raschen Verwendung und zum Sichten hat und bei Bedarf die besten RAW-Bilder später in aller Ruhe entwickeln kann. Die zwei Dateien können auch als eine Art Sicherheitskopien dienen. Besitzt die Kamera zwei Kartenlaufwerke, dann lassen sich u.U. RAW-Fotos auf eine Karte und JPEGs auf die andere speichern.

Die Auflösung und die Komprimierungsstärke für die simultanen JPEGs kann meistens beliebig bestimmt werden. Da die Bilder auch als RAWs vorhanden sind, lohnt sich in diesem Fall die höchste JPEG-Qualität kaum, da dafür ja RAW gedacht sind.

TIFF, der alte Dateiriese

Alternativ zum verlustbehafteten JPEG können einige Kameras ihre Fotos im "Tagged Image File Format" (kurz TIFF) speichern. Die Bilddateien mit der Endung TIF oder TIFF fallen jedoch sehr gross aus, da aus Kompatibilitätsgründen bei Digitalkameras auf jegliche Komprimierung verzichtet wird. Deswegen, und weil sich inzwischen das RAW-Format für die verlustfreie Speicherung von Fotoaufnahmen etabliert hat, ist TIFF nur noch in wenigen Modellen als Einstelloption zu finden. Wo eine Wahl zwischen RAW und TIFF besteht, sollte mit RAW fotografiert werden.

Einziger Vorteil von TIFF gegenüber RAW ist, dass sich die Fotos sofort (ohne vorherige Konvertierung) in den meisten Bildbearbeitungsprogrammen verwenden lassen.

Als Aufnahmeformat in Digicams ist TIFF also nicht zu empfehlen, bei der weiter gehenden Bildbearbeitung von Fotos macht es dagegen Sinn, auf TIFF zu setzen.

Sonstige Dateiformate von Digitalkameras

Digitale Kameras legen oft zusätzliche Dateien in anderen Formaten auf den Speicherkarten ab. Meist handelt es sich um Zusatzinformationen, die die Kamera für verschiedene Aufgaben nutzt.

Bietet eine Kamera die Möglichkeit, Audiokommentare zu den Fotos aufzuzeichnen, werden diese meist als separate Wave-Dateien gespeichert. Der Dateiname ist identisch mit dem des Bildes, die Endung lautet "WAV". Es gibt auch Kameras, die Audiokommentare als Videodateien mit einem Standbild aufzeichnen.

Videoaufzeichnungen werden mit den Dateiendungen "AVI", "MOV" und "MPG" angelegt. Einige Kameras nutzen für HD-Videos auch den AVCHD-Videostandard, der von neueren bandlosen Camcordern her bekannt ist. Diese Videostreams werden leider in einem separaten Ordner tief verschachtelt und mit einer eigenen Dateinunmmerierung abgelegt. Sie haben die Endung MTS.

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FaZitt:

Fotoaufnahmen im RAW-Format empfehlen sich für alle Digitalfotografen, die ihre Fotos generell am Computer bearbeiten, höchste Qualität benötigen oder den grösseren Spielraum als Sicherheitsreserve nutzen. Für den schnellen, unkomplizierten Gebrauch ist JPEG die bessere Wahl.

Ergänzungen

Beim Fotografieren mit einer digitalen Kamera werden Fotos als Bilddateien auf der Speicherkarte abgelegt. Eine Bilddatei enthält das eigentliche Foto (Bilddaten) und zusätzliche Infos über die Entstehung (Aufnahmedaten gemäss Exif-Standard), die unter anderem nützlich für die Verwaltung sind. Mehr dazu im Artikel über Exif- und IPTC-Metadaten.