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Samstag, 16. Oktober 2010

Kameratypen (digitale Fotografie)


Digitale Fotoapparate lassen sich nach verschiedenen Merkmalen unterscheiden. Ich bevorzuge eine primäre Kategorisierung nach Bauform/Konstruktion (= Kameratyp), da sich daraus wesentliche Unterschiede für Verwendungszweck, Handhabung und Ausstattung ergeben.

Hier folgen nun Beschreibungen der gängigsten Kameratypen.

Kompaktkamera

Sie ist der Inbegriff der Digital(foto)kamera und dient primär für die klassischen Erinnerungsbilder (Ferien, Feste/Feiern, Freunde/Familie). Die Kompaktkamera ist klein und handlich und besitzt ein fest eingebautes Zoomobjektiv – oder selten ein Objektiv mit Festbrennweite. Als Sucher dient der LCD. Ein zusätzlicher optischer Sucher war einst üblich, ist heute jedoch nur in höher wertigen Modellen zu finden.

 

Es gibt ein grosses Angebot, das von sehr preiswerten, einfachen Einsteigermodellen bis hin zu üppig ausgestatteten Topmodellen für Ansprüche versierter Amateur- und Berufsfotografen reicht.

 

Als Varianten gibt es die Ultrakompaktkamera, die nachfolgend als eigener Typ aufgeführt ist, sowie die wasserdichte Allwetterkamera und die Edelkompakte, die z.T. mit besonders grossem Fotosensor für bessere Bildqualität ausgestattet sind.

Ultrakompaktkamera

Sie ist eine besonders kleine, eher flache Variante der "normalen" Kompaktkamera und hat jener inzwischen den Rang abgelaufen. Durch ihre flache Bauweise passt die Ultrakompaktkamera in Jacken- und Hosentaschen und trägt dort kaum auf. Deshalb ist sie ideal als Immer-dabei-Kamera und dient für (spontane) Erinnerungsbilder.

Das Design spielt eine grössere Rolle bei diesen Kameras und oft ist ein Modell in verschiedenen Farbvarianten erhältlich. Das fest eingebaute Zoomobjektiv ragt gar nicht aus dem Gehäuse hervor oder wird beim Einschalten ausgefahren. Als Sucher dient ausschliesslich der Kameramonitor, der bei neueren Modellen beinahe die ganze Rückseite einnimmt - und vereinzelt als Touchscreen ausgelegt ist. Die Kamera ist auf Automatikbetrieb ausgelegt, und es sind nur wenige Tasten vorhanden. Einstellungen erfolgen grösstenteils über Menüs am Kamerabildschirm. Grösster Konkurrent der Ultrakompaktkamera ist das Fotohandy.

Als Variante gibt es wasserdichte Allwettermodelle.

Bridge-Kamera (Superzoomkamera)

Sie wird häufig als Super- oder Megazoomkamera bezeichnet, weil ein Grossteil der Kameras ein fest eingebautes Superzoom besitzt. Die Bezeichnung "Bridge" weist daraufhin, dass dieser Typ eine Variante zwischen Spiegelreflex- und Kompaktkamera darstellt.

Äusserlich ähneln die meisten Modelle einer Spiegelreflex. Typisch ist das relativ grosse, weit herausragende Objektiv und der elektronische Sucher (EVF = Electronic View Finder)), bei dem der Benutzer über ein Sucherokular auf einen kleinen Bildschirm blickt. Der elektronische Sucher dient nicht nur als Sucher, sondern kann – wie der Bildschirm auf der Kamerarückseite – auch für Menüeinstellungen und zum Betrachten von geschossenen Aufnahmen im Wiedergabemodus verwendet werden.

 

Bridge-Kameras lassen sich in zwei Klassen unterteilen, einerseits in die die preiswerten eher kompakten Modelle mit Motorzoom und andererseits in die höher wertigen, eher grossen und teureren Modelle, bei denen das Zoom manuell eingestellt wird. Letztere ähneln in der Handhabung einer Spiegelreflex sind aber langsamer.

 

Erklärung "Superzoom": Als Superzoom werden Zoomobjektive bezeichnet, die einen grossen Brennweitenbereich abdecken und in den Supertelebereich über 200mm Brennweite vordringen. (Die Brennweitenangaben beziehen sich auf Kleinbildformat.) Anfänglich besassen die Superzooms in Bridge-Kameras einen Zoomfaktor von 10x, 12x und 15x. (Typisch für ein 10x-Superzoom waren Brennweiten wie 35-350mm und 28-280mm). Ab 2008 wurden Superzooms mit 18x, 20x, 24x und 26x verbaut. Ab 2010 kamen erste Modelle mit 30x und 35x.

Spiegellose kompakte Systemkamera

Dieser relativ junge Kameratyp bietet wechselbare Objektive und  besitzt grosse Fotosensoren, wie sie in den Spiegelreflexkameras enthalten sind. Als offizielle Bezeichnung dieses Kameratyps gilt Compact System Camera (kurz CSC), doch gibt es leider auch weitere wie z.B. DSLM (Digital Single Lens Mirrorless) oder EVIL (Electronic View Finder Interchangeable Lens).

Vor allem die Kameras, aber auch einige Objektive sind kleiner und leichter als vergleichbare Spiegelreflexkameras und deren Objektive.

 

Die grossen Sensoren der CSCs bieten eine höhere Lichtempfindlichkeit und ein höhere Bildqualität als jene von Kompakt- und Bridge-Kameras, was besonders bei schlechten Lichtverhältnissen deutliche Vorteile bringt.

Die grossen Sensoren ermöglichen wie bei DSLRs auch das Gestalten mittels geringerer Schärfentiefe. So kann Wichtiges im Vordergrund scharf abgebildet werden, während der unwichtige Hintergrund nur unscharf zu sehen ist.

Im Juni 2016 präsentierte Hasselblad die erste spiegellose Mittelformat-Digitalkamera.

Die Hasselblad X1D ist die erste kompakte, spiegellose Mittelfomat-Digitalkamera.
Ihr grosser 50Mpx-Bildsensor misst 43,8 x 32,9 Millimeter. Mehr zur Kamera unter Aktuelles (Eintrag vom 23. Juni 2016).

 

Die geringe Kameragrösse ist möglich, weil auf den Reflexspiegel bzw. den optischen Spiegelreflexsucher verzichtet wurde. Stattdessen wird ausschliesslich ein elektronisches Sucherbild genutzt, das auf dem Bildschirm der Kamerarückseite oder bei einigen Modellen auch in einem elektronischen Sucher angezeigt wird.

Es gibt zwei Bauweisen. Modelle in Bridge-Bauweise besitzen stets einen eingebauten elektronischen Sucher (EVF), die Kompaktmodelle verzichten häufig darauf, wobei zu manchen Modellen ein aufsteckbarer elektronischer Sucher als optionales Zubehör angeboten wird. Nachtrag: 2013 brachte auch Kompaktmodelle mit eingebautem EVF.

Varianten: Kompaktmodelle und voluminösere Bridge-Modelle mit eingebautem elektronischen Sucher. Eine weitere besondere Variante hat Ricoh 2009 mit der Modulkamera GXR realisiert (siehe Meldung). Bei der GXR können nicht bloss Objektive gewechselt werden, sondern das Objektiv bildet mit einem speziellen Sensor ein Aufnahmemodul. Es gibt mehrere solcher Module, die wechselnd am Kameramodul (enthält Monitor, Speichereinheit, Akku, Bedienelemente) benutzt werden können.

 

Spiegelreflexkamera

In der Regel wird damit die einäugige (d.h. ein Objektiv) Spiegelreflexkamera mit Anschluss für Wechselobjektive gemeint, deren englischsprachige Bezeichnung Single Lens Reflex sich allgemein als Kurzbezeichnung SLR etabliert hat. Die digitale Variante wird deshalb als D-SLR oder DSLR bezeichnet.

 

Bei diesem Kameratyp lenkt ein Spiegel im Kameragehäuse das durch das Objektiv einfallende Licht nach oben auf eine Mattscheibe. Dieses Mattscheibenbild betrachtet der Fotograf, wenn er durchs Sucherokular in das Pentaprisma schaut.

 

Erst für die Aufnahme klappt der Spiegel hoch und gibt zusammen mit dem Verschluss den Weg für das Licht auf den Film oder den Fotosensor frei. Dies dauert bei Fotoaufnahmen meist nur Sekundenbruchteile. Für ein Sucherbild auf dem Kamerabildschirm (Live View genannt) und für Videoaufnahmen muss der Spiegel oben bleiben. 

 

Der Vorteil dieses SLR-Suchers ist, dass der Fotograf genau sieht, was aufs Bild kommt und zwar mit jedem erdenklichen Objektiv. Dies ist bei anderen optischen Suchern nicht der Fall. Seit aber bei digitalen Kameras der Bildsensor auch live ein Sucherbild (Live-View) auf den Bildschirm bringt, hat der Spiegelreflexsucher Konkurrenz bekommen. Für Funktionen wie Live-View und Videoaufzeichnung ist der Spiegel sogar eher hinderlich, deshalb standen diese beiden Funktionen lange Zeit den DSLRs nicht zur Verfügung. Beides gehört erst seit 2009 zur Funktionalität von DSLRs.

Mittel- bis langfristig könnten DSLRs von spiegellosen Systemkameras (CSCs verdrängt werden.

 

Typisch für DSLRs sind neben dem Sucher und dem Wechselobjektivanschluss die grossen Fotosensoren, die eine bessere Qualität als jene in Kompaktkameras versprechen), das schnelle Autofokus mittels Phasenvergleich und die (zumindest bei den höher preisigen DSLRs) grossen griffigen Bedienelemente und Direkttasten. Günstige DSLRs für Einsteiger orientieren sich stärker an der Menü-konzentrierten Bedienung von Kompaktkameras und verzichten auf viele Direkttasten.

 

Varianten: Es gibt DSLRs mit Sensoren in verschiedenen Grösse. EInige Sensoren haben die Grösse des analogen Kleinbildformats 24x36mm und werden oft als Vollformatsensor bezeichnet. Am häufigsten sind Sensoren von ca. 15x23mm (APS-C-Grösse) oder 13x17,3mm (Four-Thirds-Format). Kameras mit den kleineren Sensoren gibt es von preiswerten Einsteigermodellen bis hochprofessionellen, robusten und extrem leistungsstarken Profimodellen für Sport/Action (sehr schnelle Bildfolgen) oder für alle anderen Profianwendungen mit hoher Auflösung. Neben den Kleinformat-DSLRs gibt es Mittelformat-DSLRs mit Sensoren bis 45x59mm und Auflösungen bis 80 Megapixel.

SLT - Eine Variante der DSLR

Seit Juni 2010 gibt es von Sony eine Weiterentwicklung der SLR-Technik, die als SLT (Single Lens Translucent) bezeichnet wird. Dieser Kameratyp verfügt über einen feststehenden teiltransparenten Spiegel.

Das Licht für die Aufnahme fällt durch den Spiegel hindurch auf den Fotosensor, während ein kleiner Teil nach oben auf einen zweiten Sensor abgezwackt wird, der das elektronische Sucherbild für den rückseitigen LCD und den elektronischen Sucher (EVF) liefert. Wie bei der (D)SLR wird ebenfalls ein kleiner Teil des Lichts vom Spiegel auf den AF-Phasendetektor im Kameraboden umgeleitet. 

 

Der Vorteil dieser Konstruktion ist, dass beim Live-View-Betrieb und somit auch während Videoaufnahmen stets der schnelle Phasen-AF verfügbar ist.

Ein Zusatznutzen des teiltransparenten und feststehenden Spiegels ist, dass er bei Serienbildern nicht hoch und runter klappen muss. Somit lassen sich weniger aufwändig und somit günstiger Kameras für hohe Serienbildtempi konstruieren. Ein hohes Serienbildtempo braucht es nicht nur für Sport- und Actionfotografie, sondern bringt Vorteile um ein Bild aus mehreren Aufnahmen zu kombinieren (Multi-Shot-Verfahren). Anwendungsbeispiele sind die HDR-Funktion bei extremen Helligkeitsunterschieden im Motiv oder die Überlagerung mehrerer Hoch-ISO-Aufnahmen zu einem Bild, wobei das zufällig auftretende Bildrauschen eliminiert werden kann.

Ein Nachteil der SLT-Technik ist, dass etwas Licht verloren geht, d.h. weniger Licht für die eigentliche Aufnahme zur Verfügung steht. Deshalb bieten die SLT-Kameras vergleichsweise niedrige ISO-Höchstwerte.

 

Ergänzung: Der feststehende teiltransparente Spiegel ist aber keine Neuentwicklung, denn schon in den 1970er- und 1980er-Jahren stellten Canon und Nikon (analoge) SLRs mit festen teiltransparenten Spiegeln für besonders hohe Serienbildtempi her.

Während normale SLRs damals etwa 3 Bilder pro Sekunde schafften, Profimodelle es auf etwa 5 brachten schossen jenen ca. 10 Bilder pro Sekunde.

Weitere Kameratypen

Neben den oben genannten Kameratypen gibt es noch weitere, weniger verbreitete Kameranbauweisen, wie z.B. die digitale Messsucherkamera (Leica M-Modelle, Epson R-1D-Modelle) oder wechselbare digitale Rückteile für Mittel- und Grossformatkameras sowie spezielle Kameravarianten für spezielle Aufgaben.